Alltagscharakter in der Provinz

Manchmal wird auch in praxisfeindlichen Zeiten ein Ausflug in die praktische Politik nötig. Zum Beispiel dann, wenn gegen die widerwärtigen Zustände in der Provinz der ostdeutschen Provinz angestunken werden soll – und die Organisatoren der entsprechenden Proteste das Problem nicht allein im rechten Rand, sondern auch beim ganz normalen Dorfpöbel verorten. Am 18. April 2009 findet in Burg bei Magdeburg eine Demonstration gegen den „widerwärtigen Alltagscharakter in der Provinz“ statt, zu deren Teilnahme wir hiermit aufrufen.

Am 9. April 2009 gibt es dazu eine Vorbereitungsveranstaltung in Halle, bei der es um Informationen über die Zustände vor Ort und die üblichen Technics (Abreise, Treffpunkt usw.)
geht. (18.00 Reilstraße, Haus am Zoo)

„…bis die Scheiße aufhört! Den rechten Konsens brechen!“
Antifaschistische Demo am 18. April 2009 in Burg. […]

Der widerwärtige Alltagscharakter in den Provinzen entfaltet sich nicht nur, weil Nazis das machen, was Nazis halt so machen: Fremde hassen, Linke hassen, nicht-Rechte hassen, Schwule hassen, Juden hassen, antisemitischen Verschwörungstheorien anhängen, den Nationalsozialismus lieben, Blut lieben, Boden lieben, Eichen lieben und sich permanent größenwahnsinnig, unbesiegbar oder wahlweise von allen verfolgt fühlen. Es brauch doch einiges mehr an Dorfpöbel, um den Topf zum überlaufen zu bringen. Vielerorts hat man so lange Weggesehen, Geschwiegen, Relativiert, Zugestimmt und Verständnis für die „wilden Jugendlichen“ bzw. die jugendlichen Wilden gezeigt, das ein anders-sein, ein nicht-rechts-sein, in der braunen Suppe nur schwer, schlimmsten Falls gar nicht mehr möglich war. Anders-Sein bedeutet dann Gewalterfahrungen, sozialen Druck und Einschränkungen – gar den Tod. Die Idylle und Harmonie des Landes ist der Zwang zur Konformität mit einem Alltag voll von Nazis, ihren Freunden und Freundinnen, dem schweigenden Rest und dem verständnisvollen Fanblock. Die Idylle und Harmonie des Landes wird zum Terror. Keine Aufschreie des Entsetzens, wenn Nazirudel nachts auf Jagd nach Menschen gehen, die nicht in ihr Weltbild passen können und wollen. Keine Empathie für die Opfer rechter, antisemitischer, homophober und rassistischer Gewalt – ob als Drohungen an Wände geschmiert oder durch physische Angriffe. Und wenn die Dorfidylle doch ihre Opfer fordert, weiß man zumindest ganz sicher, dass das Problem von außen kommt. Dann steht der Haufen Seite an Seite eng zusammen gegen die Presse, die angeblich Braune-Scheiße über den Dorffrieden kippt oder die böse Antifa, die voll von zugereisten Krawalltouristen ist. Nicht nur die relative ungestörte Kontinuität rassistischer Angriffe und das Agieren der Nazistrukturen, wie auch die Ignoranz und das Zuschauen der Mehrheitsgesellschaft, bieten Grund genug, selbstbestimmt und laut unseren Ärger auf die Strasse zu tragen. Linksradikalde Politik kann nicht allein mit „gegen Nazis“ gleichgesetzt werden. Sie muss als Gesamtgesellschaftliche Kritik vestanden werden!

Den rechten Konsens brechen! Auf nach Burg!
Kommt zur antifaschistischen Demonstration:
18.04.2009 / 12:30 Uhr
Burg / Bahnhof (Vorplatz)
Weitere Infos auf der Sonderseite: konsensbrechen.tk

(Übernommen von ag no tears for krauts)