09. Dezember 2009 / Vortrag und Diskussion mit Jan Gerber / 20.00 Uhr / Hochschule Anhalt / Dessau
An allen Ecken und Enden der Republik wird gehämmert, geschraubt, gebastelt, gefegt und geschoben – freiwillig, versteht sich. Ohne Ehrenämter stünde die Bundesrepublik am Abgrund: Das Gesundheitssystem würde kollabieren, Fernverkehrsstraßen würden sich aufgrund verdreckter Krötentunnel in Lurchfriedhöfe verwandeln, und die Selbstmordrate würde infolge des Zusammenbruchs der Telefonseelsorge in die Höhe steigen. Anders als oft behauptet, ist die Ehrenamts-Offensive, die seit einigen Jahren zu beobachten ist, jedoch weniger dem Rückzug des Staates geschuldet. Sie ist vielmehr Ausdruck einer Ausweitung des Staates in die Gesellschaft. Wenn Ex-Kanzler Gerhard Schröder erklärt, dass nicht der omnipräsente, sondern der „aktive und aktivierende Staat stark“ sei, wird signalisiert: Der Staat nimmt seine Aufgaben nicht zurück, sondern betreibt ihr Outsourcing – in seine jeweiligen Bürger hinein. Das Ehrenamt scheint den Rest seines philanthropischen Charakters zu verlieren und sich in einen Dienst am Staat, in eine Art freiwilligen Arbeitsdienst, zu verwandeln. Doch nicht nur das: In dem Maß, in dem der Staat seine früheren Aufgaben und Befugnisse in Vermittlung über Freiwilligenagenturen, Fördertöpfe und Aktionsprogramme an die Gesellschaft delegiert, entsteht ein – durchaus lukratives – Freiwilligen- und Förderantragsbusiness. Das bisherige institutionelle Gefüge wird durch das Hauen und Stechen der verschiedenen Interesses abgelöst, die um die Fördertröge konkurrieren. Welche Ursachen der aktuelle Ehrenamts-Boom hat, was sich an ihm über den gegenwärtigen Stand von Gesellschaft ablesen lässt und warum die Parole „Jetzt wird gedessauert“, mit der das Bauhaus Dessau derzeit für eine neue städtische Ehrenamts- und Imagekampagne wirbt, nicht nur aufgrund der Tatsache, dass Dessau eben nicht nur für das Bauhaus und Kurt Weill bekannt ist, Schlimmes befürchten lässt, erläutert der Politik- und Medienwissenschaftler Jan Gerber.
11. Dezember – 12. Dezember 2009 / Wochenendseminar / Halle
Was ist deutsche Ideologie?
In den gegenwärtigen Debatten, die in den einschlägigen Zeitschriften, Büchern und auf politischen Veranstaltungen geführt werden, ist der Ausdruck „deutsche Ideologie“ allgegenwärtig. Doch was dieser Terminus genau bezeichnet, wird selten expliziert. Er ist zum Schlagwort geworden, das immer dann eingesetzt wird, wenn es (ganz richtig) darum geht, Ideologiekritik von einem gegen Deutschland gewendeten Antiimperialismus abzugrenzen. Doch Ideologiekritik muss stets auf ihre eigenen Begrifflichkeiten reflektieren, um einer jargonhaften Verselbständigung der Sprache vorzubeugen. Deshalb wollen wir uns in dem Seminar mit dem für eine kritische
Theorie der Gesellschaft weiterhin zentralen Begriff der „deutschen Ideologie“ auseinandersetzen. Infrage steht dabei nicht nur, was der Inhalt dieser Ideologie ist, sondern auch, was an dieser Ideologie spezifisch deutsch ist. Zudem muss thematisiert werden, ob das, was deutsch ist, tatsächlich als „Ideologie“ zu charakterisieren ist oder
ob andere Kategorien – insbesondere solche der Psychoanalyse – nicht treffender sind.
Um Antworten auf diese Fragen zu finden, soll in einem ersten Schritt der Begriff „Ideologie“ expliziert werden und mit anderen Termini (Weltanschauung, Wahn, Fetischismus, Bewußtsein etc.) konfrontiert werden. Danach soll der Geschichte des Begriffs „deutsche Ideologie“ anhand von Primärtexten (sowohl „deutsche Ideologen“ als auch deren Kritiker kommen zu Wort) nachgegangen werden. In einem dritten Schritt sollen klassisch gewordene „antideutsche“ Texte zum Verhältnis von Besonderem und Allgemeinem diskutiert werden. Als vierter und letzter Schritt wird zu erörtern sein, ob gegenwärtige Phänomene wie der radikale Islam und seine postmodernen Apologeten mit dem Begriff „deutsche Ideologie“ adäquat zu fassen sind oder ob – wie von Kritikern behauptet – die von antideutscher Seite postulierte Kontinuitätslinie vom „wahren Sozialismus“ über den National- bis zum islamischen „Ummasozialismus“ nichts weiter als ein theoretisches Konstrukt ist.
13. Dezember 2009 / Kritischer Aktionstag gegen Antisemitismus – auch von links / Hamburg
Demonstration und Filmveranstaltung
Wir möchten auf eine Demonstration und Veranstaltung, die wir unterstützen, in Hamburg am 13.12 hinweisen, die linken Antisemitismus offensiv kritisiert, speziell zu den untragbaren Ereignissen in Hamburg. Diese antisemitische Gewalt darf sich nicht wiederholen, so ist es wichtig sich mit den betroffenden Menschen und den Aktionen in Hamburg zu solidarisieren und den Aktionstag zu unterstützen.
Informations- und Bündnisseite: Link
lesenswerter Text: Link
16. Dezember 2009 / Filmvorführung und Einleitungsvortrag mit Christian Uhrheimer / 20.00 Uhr / Hochschule Anhalt / Dessau
Der Regisseur Thomas Heise hatte im Jahr 2000 im zweiten Teil seiner Dokumentation jene hallischen Nazis wieder vor die Kamera geholt, die er bereits acht Jahre zuvor in „Stau – Jetzt geht’s los“ beim Saufen, Grölen und Pöbeln gefilmt hatte. Heise wollte mit der Fortsetzung zeigen, wie es um seine ehemaligen Protagonisten zu dieser Zeit stand. Unfreiwillig gelang ihm damit allerdings eine Bestandsaufnahme von Verhältnissen, in denen die Unterschiede von organisierten Nazis und ihren ganz normalen Nachbarn verschwimmen. Es sind Verhältnisse, in denen die Gewalt roh und unvermittelt zutage tritt. Der Film zeigt den tristen Alltag in Halle-Neustadt. Mittlerweile sind die Nazis von gestern älter und auch äußerlich kaum noch von anderen Neustädtern zu unterscheiden. Zu reden sein wird also über ganz alltägliche Gewalt, die sich gegen die eigene Frau, die eigenen Kinder, den Ausländer an der Ecke oder gegen den Nachbarn, der zu laut Musik hört, richtet. „Stau“ bietet Einblicke in eine Gesellschaft, in der ärmliche Gestalten ihr aussichtsloses Leben leben. Sie haben kaum eine Chance auf Verbesserung. Trotz dieser zutiefst menschenunwürdigen Umstände ist Mitleid allerdings nicht angebracht. Denn diese Menschen reflektieren nicht auf ihre Situation. Sie bemühen sich nicht um Einsicht in die irrationalen Verhältnisse. Sie machen dagegen Juden und Ausländer für ihr Unglück verantwortlich. Für sie gilt das Recht des Stärkeren, das sie stets brutal umzusetzen bereit sind. Ein NPD-Parteiausweis ist dabei ebenso irrelevant wie das Bekennen zum „Nazisein“. Dass die Situation hier im Osten so unangenehm ist, liegt vor allem an jenen ganz normalen Jugendlichen, die so reden, denken und manchmal auch so handeln wie Nazis.
Christian Uhrheimer ist Mitglied des Arbeitskreises „Materialien zur Aufklärung und Kritik“.
21. Dezember 2009 / Vortrag und Diskussion / 20.00 Uhr / Hochschule Anhalt / Dessau
Dazu ist noch nichts bekannt außer das Datum.
09. Januar 2010 / Ideologiekritischer und antifaschistischer Aktionstag / Köthen
Vorträge, Diskussion, Demonstration und Konzert
Wir organisieren, mit zwei weiteren Gruppen, einen ideologiekritischen und antifaschistischen Aktionstag in Köthen.
Es wurde eine Extraseite dazu angelegt, also schaut mal vorbei und macht Werbung dafür.
Informations- und Mobilisierungsseite: Link