Heimattreues Radegast

Wenn man Radegast hört, dann denkt man erstmal: „hä?“.
Logisch. Kennt Keiner, interessiert auch Keinen.

In Radegast findet man eben diese ostdeutschen Verhältnisse, die wir so verabscheuen.
Eine typisch provenzialer Ort geprägt von Ackerbau und Viehzucht, mit Heimatverein, Freiwilliger Feuerwehr und Fußballverein.
Am 31. Juli fand man in der Mitteldeutschen Zeitung, zwischen langweiligen Berichten über Verstöße gegen Baugehmigungen von Eingangstüren und Hecken oder die Auswirkungen des Wetters über die Biersaison in Köthen, einen Bericht über den Heimat- und Tachtenverein Radegast.
Wir waren geschockt über dieses widerliche Interview mit Werner Hellmich, dem Vereinsgründer, denn so oft wie er Brauchtum und Heimat in den Mund nahm, nahm es kein dörflicher Neonazi.
Dass dieser Mann immer noch auf verzweifelter Selbstsuche ist, beweist er in diesem Zitat:“Man muss doch wissen, wo man herkommt“. (1)
Seine innerliche Verblendung gipfelt jedoch darin, dass Hellmich sich bei Umzügen „unters Volk mischt“ und dort auch noch zeigt aus welchen widerlichen Verhältnissen er kommt.
Krankhaft, fast schon fanatisch, lädt er sogar Schulkinder ein, um sie auf „Führungen durch das Dorf zu begleiten“ und ihnen zu „zeigen das Radegast etwas zu bieten hat.“ (2)
Die Frage ist nur, was es zu bieten hat.

Das bald stattfindende Volksfest ist dann wahrscheinlich auch genau im Sinne Hellmichs. Vielleicht trifft er ja auch die „Kameraden“(3) der Freiwillige Feuerwehr Radegast, wie sie sich selbst abfeiern, um ein gemütliches Pläuschen über das nächstes Spiel ihres „heimischen“ Fußballvereins zu halten.
Was hat man nicht alles in seinem 1195-Einwohnerdorf um einen Sieg des Schwarz-Geld Radegast mitgefiebert, der leider all zu oft ausblieb.
Entschuldigung; wir meinten natürlich 1195-Einwohner STADT, denn auf diesen Titel beruft sich der Ort schon seit ewigen Zeiten, weil er irgendwann mal urkundlich erwähnt wurde.(4)

Wer seine Identität nicht in den Leistungen als Individuum, sondern im Geburts- oder Wohnort sucht, der kann sicher nicht auf Ersteres verweisen.
Der Glaube, dass Heimat ein Grundbedürfnis sei, ist fehlerhaft und zeugt von mangelnder Persönlichkeit.

Heimat ist nichts „Natürliches“, nichts „Vorgeschriebenes“, sie ist herbei halluziniert.
Heimat ist scheiße!

Quelle: (1) MZ-Ausgabe vom 31. Juli.2009
(2) MZ-Ausgabe vom 31. Juli.2009
(3) http://www.feuerwehr-radegast.de/gaestebuch2.html
(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Radegast_(Anhalt) und diverse Broschüren